3D-Druck im Kunsthandwerk

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Coupe de Angelo Barovier, Museo del vetro, Murano” by EVenise under CC BY-SA 3.0

Letzte Woche hatten wir einen futuristischen Ausblick gegeben, inwieweit der 3D-Druck möglicherweise Teilbereiche des traditionellen Handwerks in den nächsten Jahren verändern könnte. Der 3D-Trend scheint sich jedoch nicht nur in den klassischen Sparten des Handwerks zukünftig durchzusetzen, sondern man kann ebenfalls im Bereich des sogenannten Kunsthandwerks Trends zur Verwendung des 3D-Druckverfahrens erkennen. Wir werden uns heute mit 2 Sparten des Kunsthandwerks auseinandersetzten: zum einen der Glasherstellung und zum anderen dem Thema Schmuck.

Glas

Wenn man über hochwertiges Kristall spricht, kommt in der Regel der Ort Murano auf. Jene kleine Venedig vorgelagerte Inselgruppe, auf der seit der Renaissance Glas – genauer farbiges Kristall für Gläser, Vasen, Lampen und Schmuck in höchster Qualität nach einem geheimen Rezept hergestellt wird. Heute sieht die Realität etwas anders aus: die Nachfrage nach dem ehemals gefragten Kristall resp. Glaskomponenten aus Kristall für beispielsweise Lampen, hat extrem nachgelassen, so dass es nur noch wenige lokale Firmen herstellen. Hinzu kommt erschwerend, dass sowohl die Arbeit als auch das Glas für die Öfen teuer sowie die Logistik kompliziert sind (vgl. Welt vom 01.07.2014).

Das Ressourcenproblem kann resp. wird bereits in Norditalien durch die Verwendung des 3D-Druckverfahrens gelöst. Prototypen für Lampen, Gläser aber auch Schmuck sowie Objekte, deren Herstellung höchste Präzision erfordert, können nun maßgeschneidert und deutlich günstiger hergestellt werden. Ferner erlaubt die Verwendung neuer Materialien, wie z.B. Quarzsand, Keramik, Gips, Gold, Silber, aber auch Titan oder Kunststoff dem 3D-Druck auf dem Gebiet der Glasverarbeitung neue geometrisch, sehr freie und losgelöste Formensprache. Darüber hinaus kann der 3D-Drucker mittlerweile auch eine Mischung aus Glaspulver und Bindemittel verarbeiten, um Glasgegenstände zu erhalten, die gebrannt werden können. So kann eine Lampe das Aussehen einer Polymerverbindung aus Glas und Kunststoff haben und muss nicht länger zwingend das Abbild Omas Kristallleuchter sein, der in regelmäßigen Abständen abgestaubt werden muss. Momentan ist es jedoch noch schwierig transparentes Glas in ansprechender Qualität und zu verbraucherfreundlichen Preisen zu drucken. Könnte dies jedoch in Zukunft serienmäßig gelingen, würden sich ganz neue planerische Möglichkeiten, gerade im Bereich der Architektur, für die Verwendung von Glas als Baustoff eröffnen.

Apropos Architektur, jeder von uns kennt die nicht besonders ästhetischen Solaranlagen auf manchen größeren städtebaulichen Planungen. Aber würde man beim Anblick dieser automatisch an 3D-Drucker und die Herstellung von Glas denken? Wahrscheinlich nicht! Aber wie die Projekte ‚Solar Sinter’ und ‚Sand Babel’ des deutschen Produktdesigners Markus Kayser zeigen, eignet sich gerade die Solarenergie in Verbindung mit dem 3D-Druck wunderbar zur Herstellung von Glasobjekten. Beide Projekte versuchen die unendlichen Ressourcen der Wüste, wie Sand und Sonnenenergie in Verbindung mit einem oder mehreren 3D-Druckern zu nutzen, um gläserne Objekte, wie beispielsweise Gefäße und Skulpturen zu drucken.

Momentan handelt es sich hierbei noch um experimentelles und daher relativ aufwendiges Verfahren, wofür eine Photovoltaik-Anlage mit Kontrolltechnik und einem sogenannten ‚Sun Tracker’ benötigt wird, ein Fokus zur Bündelung der Sonnenstrahlen, eine Fresnel-Linse zur Verstärkung der Strahlen sowie eine Batterie für die Stromzufuhr. In dieser Anlage ersetzt der Sand, das in einem herkömmlich 3D-Drucker verwendete Granulat. Ferner kommen anstatt eines Lasers die gebündelten Sonnenstrahlen beim Druck zum Einsatz. Der Sand schmilzt durch die enorme Hitze und die gebündelten und gesteuerten Sonnenstrahlen formen so aus der heißen Glasmasse das gewünschte Objekt, wie z.B. ein Glasmöbelstück, eine Skulptur oder wenn es kleiner sein soll auch ein Schmuckstück.

Schmuck:

Im Gegensatz zum eben vorgestellten 3D-Druck von Glas ist die 3D-Drucktechnik im Bereich der Schmuckherstellung bereits länger und auch weitläufiger verbreitet. So bieten bereits zahlreiche Anbieter die Möglichkeit, gedruckten Schmuck zu erwerben oder diesen bedingt individuell zu gestalten. Das Angebot des gedruckten Schmucks bewegt sich von sehr einfachen Design ansetzen bis zu als experimentellen Formen. Auch das Preisspektrum für 3D-gedruckten Schmuck ist sehr weitläufig und sich von sehr günstig bis zu fünfstelligen Dollarbeträgen. Die Formen- und Materialvielfalt ist im Bereich des 3D-gedruckten Schmucks sehr vielfältig. So kann der Schmuck naturentlehnten Formen wie Blattadern, Korallen und Gewebeverbindungen nachempfunden werden. Auch die Verwendung verschiedener Materialien, wie beispielsweise Silber, Edelstahl und Kunststoff, jedoch zu erschwinglichen Preisen, ist durch die Verwendung eines 3D-Druckers möglich. Genauso können mittlerweile auch sehr hochpreisige Einzelstücke gefertigt werden, die sowohl vom Aussehen als auch der Qualität an den Schmuck der alteingesessenen Häuser wie Cartier oder Tiffany heranzukommen scheinen (Vgl. Artikel Forbes). Hier kann der Kunde bereits aus acht verschiedenen Edelmetallen, wie z.B. aus 18K Rosengold oder Platin auswählen, sich danach für seinen bevorzugten Edelstein entscheiden, Diamanten hinzufügen sowie den Schliff seiner Wahl hinzufügen. Die Kombinationsmöglichkeiten aus Design und Schliff sind vielfältig. Im Gegensatz zur traditionellen Schmuckherstellung muss der Kunde hier jedoch nicht auf die Verfügbarkeit eines Goldschmiedes warten, um sein gewünschtes Ensemble zusammenzustellen, sondern es geht als standardisierten Auftrag an den 3D-Drucker. Hier zeigt sich einer der großen Vorteile des 3D-Drucks im Bereich der Schmuckherstellung: neue Kollektionen und neue Designs, sowie Einzelanfertigungen können schneller und kostengünstiger auf den Markt gebracht werden. Um Designern eine Plattform zur Präsentation und für den Verkauf ihres Schmucks zu bieten, hat trinckle 3D den Design Marktplatz geschaffen. Auf diesem können Designer ihre Entwürfe für einen 3D-gedruckten Schmuck gegen eine Gebühr vorführen und verkaufen. Viel Spaß beim Stöbern.

 

Ausblick:

Wie aus den eben beschriebenen Verfahren der Schmuck- und Glasherstellung zu erkennen, scheint die stetige Erweiterung der Materialauswahl für die Verbreitung des 3D-Druckverfahrens, gerade im Bereich des Kunsthandwerks von immenser Bedeutung zu sein. Auch trinckle 3D erweitert in der nächsten Zeit sein Materialangebot, um auch besondere Kundenwünsche erfüllen zu können.

Wir freuen uns auch dieses Mal über Anregungen und Feedback zu diesem Thema.